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KonstruktionLesezeit 5 Min.

Abzweigmaße festlegen: worauf es bei der Konstruktion ankommt

Ein Kabelbaum lebt von seinen Abzweigen. Dort teilt sich der Stamm, und dort entscheidet sich, ob der Baum im Bauraum passt. Die Maße dafür stehen in der Zeichnung, oft aber ohne den Bezugspunkt, auf den sie sich beziehen. Dieser Beitrag zeigt, wie Abzweigmaße sauber festgelegt werden.

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Aus unserer Fertigung: Kabelbaumkonstruktion in EPLAN Harness proD in unserem Konstruktionsbüro.

Was ein Abzweigmaß ist

Ein Kabelbaum besteht aus einem Stamm und aus Zweigen. Dort, wo sich der Stamm teilt, sitzt ein Abzweig, im Englischen Breakout genannt. Das Abzweigmaß sagt, an welcher Stelle des Stamms dieser Abzweig liegt.

Gemessen wird dabei nicht die Luftlinie, sondern die Strecke entlang der Leitung, also die gestreckte Länge. Das ist der Unterschied zwischen einer Einbauzeichnung und einer Kabelbaumzeichnung: Die Einbauzeichnung zeigt den Bauraum mit seinen Bögen und Ecken, die Kabelbaumzeichnung zeigt den flach ausgelegten Baum, so wie er auf dem Formbrett entsteht.

Ein einzelnes Abzweigmaß reicht nicht. Dazu gehören die Länge jedes abgehenden Zweigs, die Reihenfolge der Abzweige am Stamm und die Angabe, welche Adern in welchen Zweig laufen. Fehlt eines davon, muss die Fertigung raten, und zwei Bäume aus derselben Zeichnung sehen unterschiedlich aus.

Der Bezugspunkt entscheidet

Die häufigste Lücke in einer Kabelbaumzeichnung ist nicht ein fehlendes Maß, sondern ein fehlender Bezugspunkt. 250 mm bis zum ersten Abzweig: gemessen ab wo? Je nach Antwort liegt der Abzweig um mehrere Zentimeter anders.

Sauber ist, den Bezugspunkt einmal festzulegen, ihn in der Zeichnung selbst zu bemaßen und ihn danach beizubehalten. Wechselt der Bezug mitten in der Zeichnung, entsteht ein Kabelbaum, der rechnerisch stimmt und im Gerät trotzdem nicht passt.

Üblich sind vier Bezüge, und jeder hat seine Eigenheit:

  • Kontaktspitze: eindeutig und gut zu messen, unterscheidet sich aber je nach Kontakt und Gehäuse
  • Gehäusefront oder Gehäuserückseite: am fertigen Baum leicht prüfbar, muss jedoch benannt werden, vorn oder hinten
  • Ende des Kabelmantels oder des Wellrohrs: praktisch für die Fertigung, hängt aber am Absetzmaß und wandert mit ihm
  • Mitte des Abzweigs: der übliche Bezug, wenn das nächste Abzweigmaß vom vorigen aus angetragen wird

Kettenmaß oder Bezugsmaß

Für das Eintragen der Maße gibt es zwei Wege. Beim Kettenmaß wird jeder Abzweig vom vorigen aus angetragen. Beim Bezugsmaß gehen alle Maße vom selben Nullpunkt aus, meist vom Hauptstecker.

Das Kettenmaß liest sich leichter und passt zur Reihenfolge der Montage. Es hat aber einen Haken: Die Toleranzen addieren sich. Vier Abschnitte mit je fünf Millimetern Toleranz ergeben am letzten Abzweig im ungünstigen Fall zwanzig Millimeter Abweichung. Sitzt dort ein Stecker, der in eine feste Halterung greift, ist das zu viel.

Beim Bezugsmaß bleibt jede Toleranz für sich, dafür wird die Zeichnung unruhiger. In der Praxis bewährt sich eine Mischung: das Kettenmaß für die Gestalt des Baums, ein Bezugsmaß für die kritischen Punkte, also für die Enden, die an eine feste Position müssen.

  • Kettenmaß: leicht zu lesen, Toleranzen addieren sich über die Kette
  • Bezugsmaß: jede Toleranz steht für sich, dafür mehr Maßlinien
  • Kritische Enden immer vom festen Bezugspunkt aus bemaßen
  • Kein Maß doppelt eintragen, sonst widersprechen sich Kette und Bezug

Der Abzweig ist kein Punkt

Auf der Zeichnung ist der Abzweig ein Punkt. In der Fertigung ist er ein Bereich. Die Bandage endet nicht schlagartig, das Wellrohr ebenso wenig, und die Adern scheren über eine Strecke aus dem Bündel aus, statt im rechten Winkel abzuknicken.

Wie lang dieser Bereich ist, hängt am Durchmesser des Bündels und am kleinsten zulässigen Biegeradius der dicksten Leitung im Zweig. Je dicker das Bündel, desto weiter vorn muss eine Ader ausscheren, wenn sie ohne Zwang austreten soll. Bei kräftigen Bündeln liegen zwischen dem Punkt auf der Zeichnung und der Stelle, an der die letzte Ader wirklich frei liegt, schnell einige Zentimeter.

Daraus folgt zweierlei. Erstens braucht ein enger Abzweig die Angabe, worauf das Maß zielt: auf die Mitte, auf den Beginn oder auf das Ende der Bandage. Zweitens sollten zwei Abzweige nicht so dicht beieinander liegen, dass sich ihre Bereiche überschneiden. Sonst entscheidet die Montage, was zuerst gewickelt wird, und das Ergebnis schwankt von Baum zu Baum.

  • Bei engen Abzweigen angeben, worauf das Maß zielt: Mitte, Beginn oder Ende der Bandage
  • Y-Stück, Schrumpfformteil oder Wellrohrabzweig brauchen Bauraum, das Bauteil gibt die Mindestlänge vor
  • Zwei dicht benachbarte Abzweige eher zusammenfassen als beide eng tolerieren
  • Am Abzweig endet meist auch der Kabelschutz, Anfang und Ende gehören bemaßt. Mehr dazu im Beitrag Kabelschutz im Kabelbaum.

Was in die Zeichnung gehört

Eine Kabelbaumzeichnung soll ohne Rückfrage fertigbar sein. Für die Abzweige heißt das: Bezug, Maß, Toleranz und Inhalt jedes Zweigs stehen auf demselben Blatt. Wer den Kabelbaum digital konstruiert, bekommt Abzweigmaße und gestreckte Längen ohnehin aus demselben Modell. Wie das abläuft, beschreibt der Beitrag Kabelbaum mit EPLAN entwickeln.

Welche Angaben über die Abzweige hinaus in eine Anfrage gehören, steht in der Checkliste für die Kabelbaumanfrage. Für die Zeichnung selbst ist diese Liste das Mindeste:

  • Bezugspunkt, einmal definiert und in der Zeichnung selbst bemaßt
  • Abzweigmaße entlang der gestreckten Leitung, mit dem Hinweis, ob Kettenmaß oder Bezugsmaß gilt
  • Länge jedes Zweigs bis zu seinem Endbezug, also bis Kontaktspitze oder Gehäusefront
  • Toleranz je Maß oder eine Längenklasse für den ganzen Baum, nicht die Allgemeintoleranzen aus dem Maschinenbau
  • Belegung: welche Ader in welchen Zweig läuft, mit Querschnitt, Farbe und Zielkontakt
  • Bündelung und Schutz je Abschnitt: Band, Geflecht oder Wellrohr, jeweils mit Anfang und Ende
  • Kennzeichnung und Etikettenposition, gemessen vom selben Bezugspunkt
  • Die kritischen Maße als solche markiert, damit die Prüfung weiß, was gemessen wird

Wie wir damit umgehen

Wir konstruieren Kabelsysteme mit EPLAN. Abzweigmaße und gestreckte Längen stammen damit aus demselben Modell und können nicht auseinanderlaufen. Liegt uns nur eine Handskizze vor, klären wir vor dem Angebot den Bezugspunkt und die kritischen Maße. Das ist meist die kürzeste Rückfrage des ganzen Projekts und erspart die längste.

In der Montage arbeiten wir am modularen Nagelbrett. Die Zeichnung dazu plotten wir auf dem eigenen A0-Plotter im Maßstab 1:1 und legen sie auf das Brett. Die Abzweige sitzen damit dort, wo die Zeichnung sie vorgibt, beim Muster genauso wie in der Serie. Wie das Formbrett aufgebaut wird, steht im Beitrag Montage am Formbrett.

Seit 2006 fertigen wir Kabelsätze und Kabelbäume. Gefertigt wird in Kitzingen nach ISO 9001, Chargen und Prozesse sind seit 2019 vollständig rückverfolgbar. Schicken Sie uns Ihre Zeichnung oder Ihre Skizze über das Kontaktformular. Sind die Komponenten Lagerware oder vorhanden, liegt das Angebot in der Regel in 2 bis 3 Werktagen vor. Bei komplexen Kabelbäumen dauert es länger.